Das Besondere an Saphirglas

Das Besondere an Saphirglas
24.09.2018 vild
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Eigenschaften & Vergleich zu anderen Uhrgläsern
Verwendung von Saphirglas
Herstellung
Check: Woran erkenne ich Saphirglas?

 

 

Eigenschaften von Saphirglas & Vergleich zu anderen Uhrgläsern

Saphirglas

Anders als man von dem Namen schließen könnte, ist Spahirglas kein Glas, sondern besteht aus synthetisch hergestelltem Saphir mit einer kristallinen Struktur. Der Saphir ist ein seltener Edelstein, welcher in seiner natürlichen Form heute zum Beispiel aus Sri Lanka, Indien, Australien oder den USA stammt.
Saphirglas wird besonders bei hochwertigen Uhren verwendet, da es eine sogenannte Mohshärte von 9 (10 ist die höchste) aufweist und einfach gesprochen nur Diamanten härter sind. Somit ist es nicht nur wertvoll aufgrund seiner aufwendigen Herstellung und Struktur, sondern auch außergewöhnlich hart. Zwar ist Saphirglas nicht zu 100% kratzfest, jedoch passiert es extrem selten, dass Kratzer durch besonders harte Materialien in Kombination mit starkem Krafteinsatz zustande kommen. Irrtümlicherweise werden Kratzer oft mit Abrieben von Aluminium verwechselt, die schnell und einfach mit einem Gummi entfernt werden können. Unter sehr starkem punktuellem Druck mit einem harten Gegenstand kann Saphirglas brechen.
Warum nimmt nicht jeder Uhrenhersteller Saphirglas für seine Modelle? Zum einen ist es aufwendig und teuer in der Herstellung und zum anderen verursacht die kristalline Struktur eine stärkere Lichtbrechung und somit auch eine stärkere Reflexion. Nur neuartige Antireflexionsbeschichtungen können diesen Nachteil aufheben, bedingen jedoch auch zusätzliche Kosten.

 

Im Vergleich: Mineralglas

Mineralglas besteht aus Siliziumoxid und kann durch die Zugabe von verschiedenen Oxiden veredelt, bzw. weiter verhärtet werden. Jedoch auch nach Veredelung erreicht das Mineralglas keine vergleichbare Kratzfestigkeit zum Saphirglas. Als Vorteil zu Kunststoffglas ist es deutlich härter und vergilbt nicht über Zeit. Allerdings kann Mineralglas in kleinste Glassplitter brechen, die im schlimmsten Fall das Uhrwerk beschädigen.

 

Im Vergleich: Kunststoffglas

Kunststoffglas wurde als Erstes in Uhren verwendet und ist auch unter den Begriffen Hesalithglas, Plexiglas oder Acrylglas bekannt. Die erste Uhr auf dem Mond, die Omega Speedmaster Moonwatch, besaß und besitzt in ihrer ursprünglichen Version noch heute sogenanntes Hesalithglas, da das Kunststoffglas nicht in kleinste Teile zersplittern kann und damit keine Gefahr für sensible Instrumente darstellt. Weitere Vorteile sind das geringe Gewicht und die extrem geringe Lichtreflexion des Kunststoffs. Im Vergleich zu Saphirglas und Mineralglas ist es jedoch deutlich kratzanfälliger und kann unter starkem Wasserdruck geringe Mengen an Wasser durchlassen. Feine Kratzer können bei Kunststoffglas wieder auspoliert werden, da es relativ weich ist. Das Glas kann über längere Zeit hinweg vergilben, durch die Einwirkung von UV-Strahlen.

 

 

Verwendung von Saphirglas

Derzeit sind weltweit nur wenige Hersteller in der Lage Saphirglas in komplexen Formen herzustellen, dies gilt besonders für gewölbtes Saphirglas, das heute noch oft als nicht umsetzbar bezeichnet wird. Die Produzenten sind in der Schweiz, Frankreich und zum Teil im asiatischen Raum ansässig.
Eine weitere wichtige Neuerung des 21. Jahrhunderts ist die kratzfeste Beschichtung gegen Lichtreflexionen. Bei einer doppelseitigen Beschichtung wird das Licht kaum noch reflektiert und ein Uhrglas ist kaum noch erkennbar, was bei gewölbtem Saphirglas einen besonders auffälligen Effekt erzielt.
Inzwischen verwenden die Hersteller namenhafter Luxusuhren fast ausschließlich Saphirglas für ihre Uhren, da es trotz höherer Kosten deutliche Vorteile mit sich bringt und den Wert der Uhr zu einem gewissen Grad erhöht. Die abgebildeten Modelle besitzen Saphirglas, das zu einem hochwertigen Effekt der Uhr beisteuert.

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Glashütte Spezimatic - gewölbtes Saphirglas und zeitloser Vintage Style.
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Omega Speedmaster in herkömmlicher Version mit gewölbtem Hesalithglas.
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Ressence Type 3 Liquid-Filled Watch. Das Ziffernblatt scheint mit dem Saphirglas verschmolzen zu sein als Effekt.
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Schöner blauer Farbton des Antireflection Coating auf dem Saphir Uhrglas.
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Das Milgauss grüne Saphirglas war das erste seiner Art mit der Einführung in 2007.
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Panerai Luminor 1950 Tourbillon GMT mit Saphir Uhrglas.
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Herstellung: Saphire

Die wertvollen Edelsteine mit blauer Farbe werden aus Australien, Sri Lanka, Indien, Afrika oder den USA importiert. Der bisher weltweit größte Saphir wird auf ca. 90 Millionen Euro geschätzt und wurde in Sri Lanka gefunden.
Bei Saphirglas handelt es sich jedoch nicht um die geförderten Saphire, sondern um aufwendig produziertes kristallines Glas, das der Struktur von Saphiren gleichkommt. Kurz erklärt, wird ein kleines Stück Saphir mit Aluminiumoxid über 2.000 °C erhitzt bis eine glühende Glasbirne entsteht. Das entstandene Saphirglas wird in Scheiben geschnitten und anschließen geschliffen und poliert. Dies kann jedoch nur mit Diamantscheiben und Diamantpulver geschehen, da sonst kein Material hart genug wäre. Die genaue Herstellungsweise und Mechaniken sind dabei nur wenigen Herstellern am Markt bekannt oder möglich.

 

 

Check: woran erkenne ich Saphirglas?

Auf den ersten Blick lässt sich kaum feststellen, ob bei einem Uhrglas wertvolles Saphirglas oder günstigeres Mineralglas verwendet wurde. Zwar gibt es insbesondere bei gewölbtem und doppelt entspiegeltem Saphirglas einen sehr hochwertig wirkenden Effekt, der das Zifferblatt deutlich hervorhebt, jedoch wäre dieser Effekt aus einiger Entfernung auch mit Kunststoffglas erzeugbar.
Dank der einzigartigen kristallinen Struktur von Saphirglas, kann ein einfacher Test zuhause die Echtheit schnell bestätigen:

Als direkte Vergleichsmöglichkeit nimmt man sich am besten eine Uhr mit Mineralglas oder ein herkömmliches Glas. Zuerst sollten die Oberflächen der Uhr mit dem zu testenden Saphirglas und jene mit Mineralglas gereinigt werden bis keine Fettreste und Schmutzpartikel mehr vorhanden sind. Danach können beide Uhren nebeneinandergelegt werden.
Es wird jetzt ein Tropfen Wasser auf die Oberfläche jeder der beiden Uhrengläser gesetzt. Dies kann man zum Beispiel behutsam mit einer zuvor unter dem Wasserhahn befeuchteten Fingerspitze gemacht werden, wenn keine Pipette vorhanden ist.

Wenn man nun beide Uhren im gleichen Winkel kippt, läuft der Wassertropfen auf dem herkömmlichen Glas oder Mineralglas deutlich schneller ab und hinterlässt zudem eine Schliere. Aufgrund der kristallinen Struktur von Saphiren läuft der Wassertropfen auf dem Saphirglas sichtbar mühsamer (erst ab einem steileren Winkel) ab und hinterlässt keine Schliere.